Fibonacci-Retracements

Viel beachtet und deshalb wichtig!

Wie ein Mathematiker des 13. Jahrhunderts uns heute noch helfen kann

„Fibonacci“ und „Retracement“, das sind Worte die mysteriöser und zugleich komplizierter kaum klingen könnten. Aber was verbirgt sich hinter diesen Vokabeln, mit denen Chart-Analysten so gerne um sich werfen?

Leonardo Fibonacci gilt als einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters. Geboren um 1170 in Pisa, gestorben 1240 in derselben Stadt. Fibonacci entdeckte eine unendliche Zahlenfolge, die Fibonacci-Folge. Dabei entsteht jeweils die nächste Zahl aus der Summe der zwei vorangegangenen. Die Reihe startet mit zwei Einsen. Daraus ergibt sich zusammengenommen die 2. Die darauffolgende 3 wird durch Addition der zwei Vorgängerzahlen 1 und 2 ermittelt. Summieren wir dann die 2 und 3, ist das Ergebnis, die 5, die nächste Zahl in dieser Reihe. Und so geht die Rechnung bis ins Unendliche weiter.

fibo zahöenreihe

Nach den ersten Vier Zahlen ist das Verhältnis einer Zahl zur nächst höheren nahe dem Wert 0,618. Für uns ebenfalls wichtig: Das Verhältnis zwischen einer Zahl zur übernächsten nähert sich dem Wert 2,618 bzw. dem Kehrwert 0,382. Das alles ist sehr mathematisch. Aber keine Angst, für die weitere Betrachtung brauchen wir keine großen Mathematik-Kenntnisse. Vielmehr merken wir uns 61,8% (abgeleitet aus der 0,618) und 38,2% sowie die goldene Mitte 50%. Diese Prozentzahlen sind, die an der Börse am meisten beachteten Fibonacci-Retracements.

Und damit noch kurz zum Wort „Retracement“. Im deutschen steht Retracement im Zusammenhang mit Kursverläufen für Korrektur. Die eben genannten Level, 38,2%, 50% und 61,8% stehen also für mögliche Korrekturziele. Hat ein an der Börse gehandelter Wert eine starke Bewegung – aufwärts oder abwärts – vollzogen und beginnt diesen Impuls zu korrigieren, so achten Sie auf diese Marken. Denn diese Kursniveaus stellen mögliche Endpunkte der gerade gestarteten Gegenbewegung dar.

Am Beispiel des amerikanischen S&P 500

2012 zog das Barometer zwischen Juni und September stark nach oben an, bevor es zu einer mehrwöchigen Kurskorrektur kam. Die Notierungen fielen bis an das 61,8%-Retracement bei rund 1.346 Punkten (siehe Einkreisung). Bei diesem Niveau begannen Investoren wieder vermehrt zu kaufen und der S&P 500 setzte seine vorherige Aufwärts-Rallye fort.

Damit Sie ein solches Fibonacci-Retracement auf dem Chart erhalten, müssen Sie das Juni-Tief mit dem September-Hoch vermessen und auf dieser Basis die 38,2%-, die 50%- und die 61,8%-Marken ermitteln. Die meisten Chart-Programme bieten ein Fibonacci-Retracement-Werkzeug, mit dem Sie automatisch diese Zahlen erhalten. So können Sie sich die Rechenarbeit gänzlich sparen.

S&P500 Index Fibo 61%

S&P500 Index 50%

Im Anschluss an den darauffolgenden Aufwärtsimpuls von Mitte November bis Dezember schnaufte der Index für einige Tage durch. Der erneute Aufwärtsdreh gelang auf halber Strecke der vorangegangenen Bewegung, also am 50%-Retracement.

S&P500 Index 38%

Und auch das 38,2%-Korrekturniveau ist sehr nützlich. Nach einem steilen Aufwärtsimpuls von Dezember 2012 bis Mai 2013 setzte der S&P 500 auf dieses Level zurück. Tiefer konnten die Bären die Notierungen damals nicht drücken, denn im Anschluss setzte der Index seine Rallye unbeirrt fort. Sie sehen, diese Marken werden erstaunlich häufig angelaufen – sicher nicht jedes Mal so punktgenau wie in diesen Beispielen, doch es lohnt sich auf jeden Fall ein Augenmerk darauf zu legen. So können Sie wertvolle Endmarken einer laufenden Korrektur erkennen und für sich nutzen.

Sicherlich handelt es sich bei diesem Werkzeug der Technischen Analyse nicht um den heiligen Gral – den gibt es ohnehin nicht – aber die Fibonacci-Retracements können ein machtvolles Instrument sein, um Kurskorrekturen richtig einzuschätzen. In Verbindung mit weiteren Methoden, wie Indikatoren, Trendgeraden, etc. lassen sich auch gute Einstiegspunkte für lukrative Investments ausmachen.